Nordosten Brasiliens - Guarabira

Das Sozio- ökonomische Umfeld von Guarabira

 

Knapp ein Drittel der Brasilianer lebt im Nordosten des Landes. Die Region ist kulturell sehr vielseitig und geprägt von der portugiesischen Kolonialherrschaft, der Kultur der ehemaligen afrikanischen Sklaven und nicht zuletzt von indianischen Einflüssen.

 

Bis heute leidet der Nordosten aufgrund geschichtlich gewachsener Unrechtsstrukturen unter Armut, Marginalisierung, Diskriminierung, Kinderarbeit und Prostitution, insbesondere im Hinterland aber auch in den urbanen Zentren. Infolgedessen stellen wie auch im übrigen Brasilien der Anstieg von Kriminalität und Gewalt, von Korruption, Straflosigkeit und die geringe wirtschaftliche Entwicklung des ruralen Raums die Probleme der Gegenwart dar. Die Problematik der sozialen Ungleichheit kennzeichnet diesen geographischen Raum besonders.

 

Eine schlechte wirtschaftliche Entwicklung, fehlende Infrastruktur, die große Einkommensungleichheit, die Ungleichverteilung von Landbesitz und das Problem von immer wieder auftretenden Dürren haben einen starken Abwanderungsstrom in den industrialisierten Süden Brasiliens verursacht. Brasilien ist durch ein starkes Nord-Süd-Gefälle geprägt. Trotz einiger wirtschafts- und sozialpolitischer Maßnahmen und Förderungen seitens der Regierung in den letzten beiden Jahrzehnten, konnten die Einkommensungleichheit, Armut und das niedrige Bildungsniveau, etc. landesweit nur unerheblich verringert werden.

Als Zentrum der Metropolregion Guarabira, Ballungsraum mit 17 umliegenden Städten und 188.060 Menschen, nimmt die Stadt Guarabira eine politisch und wirtschaftlich ausschlaggebende Position in der Entwicklung dieses Wirtschaftsraumes ein. Aufgrund dessen fand innerhalb des ruralen Raums ein reger Zustrom durch die Landbevölkerung statt, die sich in den Randgebieten der Stadt ansiedelte. Die soziale Situation ist durch das bereits erwähnte N-S-Gefälle in Brasilien gekennzeichnet: Laut Volkszählung 2010 durch das Brasilianische Institut für Geographie und Statistik (IBGE) liegt der HDI der Stadt Guarabira bei 0,673, das BIP pro Kopf bei Real 9.526,70 und der Gini-Koeffizient bei 53,7.

 

Das präventive Projekt ANAJÔ betreut drei Randbezirke am östlichen Stadtrand von Guarabira: Bairro Nordeste, Bairro Nordeste II und Bairro das Nações. Hier leben ca. 25.000 Menschen.

 

In diese Stadtteile hat die Gemeinde jahrzehntelang kein Geld investiert. Die Qualität der öffentlichen Schulen ist schlecht. Dies ist ganz deutlich an den Lebensumständen vor Ort zu sehen. Kinder, die in diesen Randbezirken aufwachsen, haben oft keine Chance auf eine bessere Zukunft. Analphabetismus unter den Schulabgängern ist keine Seltenheit. Zudem haben viele Kinder keine Zeit, den Schulunterricht zu besuchen. Aufgrund der schwerwiegenden sozialen Benachteiligung, schicken finanziell geschwächte Familien ihre Kinder zur Arbeit, um zu überleben. Andere geraten in Gefahr in ein Leben von Gewalt, Kriminalität, Drogenmissbrauch, Prostitution, Obdachlosigkeit abzurutschen.

Das typische Einstiegsalter in die Kinderarbeit liegt zwischen 8 und 14 Jahren, wobei sich zeigt, dass meist Jungen und überwiegend Kinder und Jugendliche afro-brasilianischer Abstammung betroffen sind.

 

Diesen oft bereits mehrere Generationen alten Teufelskreis der Armut und Kriminalität können die Kinder und Jugendlichen Brasiliens nur durch entsprechende Bildung durchbrechen. An diesem Punkt setzt das Projekt ANAJÔ an.